Bayern soll grüner werden
Renate Künast unterstützte gestern Abend Ulrike Gote
im Bayern-Wahlkampf
Nordbayerischer Kurier vom 20. September 2008
von Andreas Rietschel
Die CSU bei 46 Prozent, die Grünen auf der Schwelle zur Regierungsbildung. Traumfantasien neun Tage vor der Bayernwahl oder Realoszene für den 29. September, wenn die Schlacht ums Maximilianeum geschlagen ist? Für die Grünen, heute mehrheitlich Realos, ist das denkbar. So sagten sie gestern beim Bayreuther Grünen-Fest mit Stargast Renate Künast.
Die Fraktionsvorsitzende im Bundestag rasierte gleich schwungvoll die CSU-Doppelspitze Beckstein-Huber: Die beiden hätten doch seit Regierungsübernahme kein einziges Projekt auf die Reihe gebracht. Und in Berlin reden sie anders als in Bayern. Bildung, Atomkraft und Gentechnik sind die bestimmenden Themen im Grünen-Wahlkampf, so die Bayreuther Landtagsabgeordnete Ulrike Gote mal giftig, mal witzig und dabei sekundiert von Künast und der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Scharfenberg.Die Bauern hätten sich von der CSU abgewandt, weil sie von der Gentechnik nichts mehr wissen wollen. Agrarminister Horst Seehofer lüge, wenn er behaupte, Vorgängerin Künast habe den Anbau von Genmais genehmigt, dabei war er es selbst, so Künast gestern.Huber habe in der Finanzkrise versagt, jüngste Meldungen über einen Landesbankverlust von 300 Millionen Euro an Lehmann Brothers beweisen das einmal mehr, so der Berliner Gast. Der Atomausstieg steht nach wie vor auf der Agenda der Grünen, sie lehnen die von der CSU propagierte Verlängerung der Laufzeiten kategorisch ab. Lieber solle man Geld in die erneuerbaren Energien stecken, damit man sich in Bayern auch in Zukunft Energie leisten kann.Wichtigstes Thema aber ist den Grünen die Bildung: Gleiche Chancen bedeute Gerechtigkeit für alle. Man müsse weg vom dreigliedrigen Schulsystem und wieder mehr Geld in die Universitäten pumpen, statt die Mittel auf außeruniversitäre Forschungsreinrichtungen zu konzentrieren, so Gote.Zwei Prognosen wagte Künast gestern Abend: Dass Huber nach der Wahl keine Rolle mehr in der Politik spiele und CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer noch vor der Schließung der Wahllokale am Sonntag ihren Job los sei. Auch wenn das erst später verkündet werde. ari
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