Offener Brief – Auftritt der “Altneihauser Feierwehrkapell’n” bei der “Fastnacht in Franken” 2018

 

Sehr geehrter Herr Intendant,

der Auftritt der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ bei der diesjährigen „Fastnacht in Franken“ hat uns und viele Zuschauer*innen des Bayerischen Rundfunks sehr verwundert und verärgert.

Brigitte Macron mit sexistischen und altersdiskriminierenden Äußerungen wie „gut eingefahr’nen Schlitten“ und „gut abgehang’ne Dame“ zu beleidigen, ist für uns nicht hinnehmbar.
Ebenso sind Witze über die #MeToo-Debatte auf diesem Niveau verstörend. Zitat: „Und jetzt hat sie mich erpresst, dass sie ein ‚MeToo‘ rauslässt, wenn ich es wage, mit despektierlichen Sätzen den Ruf des Frankenweines zu verletzen.“
Verstörend sind sie insbesondere vor dem Hintergrund, dass Norbert Neugirg sich damit in die Generation derer stellt, die eine gesellschaftliche Stimmung erzeugt haben und erzeugen, die das Schweigen über sexuelle Übergriffe befördern. Wieder wird die Frau ins Feld geführt, die „ein MeToo“ nur „rauslässt“, weil ein Mann etwas tut, das ihr nicht passt, hier sind es die despektierlichen Sätze über den Ruf des Frankenwein. Einzig der Grund könnte einem ein müdes Lächeln abringen.
Kern der MeeToo-Diskussion ist genau das, was Norbert Neugirg als einen Witz darstellt, nämlich Aussagen von Frauen zu Übergriffen, die jahrelang nicht ernst genommen oder ins Lächerliche gezogen wurden. Das kann nur missglücken.
Wir sind von der Rolle, die der BR in der gesamten Debatte um den Beitrag der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ eingenommen hat, nicht überzeugt. Es genügt nicht, die Aussage zu treffen, künftig werde man die Beiträge noch genauer prüfen. Ziel soll nicht sein, niemanden mehr zu verletzen, niemanden mehr mit derben Sprüchen zu überziehen. Ziel ist nicht die Faschings-Spaß-Zensur – auch wenn der Faschingshumor sicherlich nicht den Geschmack aller trifft. Aber wenn wie hier so offensichtlich Grenzen überschritten werden, muss darüber eine Diskussion geführt werden. Gerade wenn ein Bereich wie die #MeeToo-Debatte gestreift wird, durch die gerade ein gesamtgesellschaftliches Umdenken über Alltagssexismus und die fließenden Grenzen zu massivem Missbrauch in Gang kommt. Einerseits geloben die Öffentlich-Rechtlichen gerade Konsequenzen zu ziehen aus dem Fall Wedel, anderseits feiert der Alltagssexismus bei Fastnacht in Franken nun fröhliche Urstände. Das passt nicht zusammen.
Es hat daher keinen Sinn, Provokationen und Grenzüberschreitungen, die so offensichtlich danebengegangen sind, nicht weiter zu thematisieren und wir können es auch nicht verstehen, wenn kritisierte Künstler, wie die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ nicht bereit sind, sich zu ihrem Auftritt zu äußern und über ihren Auftritt mit den Zuschauer*innen zu diskutieren.
Eine solche Diskussion ist überfällig und wir sehen hier den BR in der Verantwortung, diese Diskussion zu ermöglichen und sie zu moderieren.

Mit freundlichen Grüßen

 

Katharina Schulze, MdL

Fraktionsvorsitzende

 

Ludwig Hartmann, MdL

Fraktionsvorsitzender

 

Ulrike Gote, MdL

Landtagsvizepräsidentin

Medienpolitische Sprecherin

 

Verena Osgyan, MdL

Rundfunkrätin

 

Hier der Brief als PDF

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