Hat die Freiheitsstrafe einen Sinn?

Unsere rechtspolitische Sprecherin und Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote lud den ehemaligen Gefängnisdirektor Dr. Thomas Galli in den Bayerischen Landtag ein, um über die Institution „Gefängnis“ zu sprechen: Wie sieht der Alltag hinter den Mauern aus und was macht es mit Inhaftierten und VollzugsbeamtInnen? Dr. Galli brachte bei unserer Lesung Licht ins Dunkel dieser Institution und hinterfragte ihren angeblichen Nutzen.

Was hat jemand über die Freiheitsstrafe zu berichten, der 16 Jahre lang Mitarbeiter im Justizvollzug war, in den Freistaaten Bayern und Sachsen, zuletzt als Leiter einer Justizvollzugsanstalt? Dr. Galli las aus seinen jüngst erschienenen Büchern: „Die Gefährlichkeit des Täters“ (2017) und „Die Schwere der Schuld“ (2016)

Hundert Gäste kamen zur Lesung, darunter viele im Bereich des Strafvollzugs Tätige: BewährungshelferInnen, StrafverteidigerInnen, TherapeutInnen, GefängnisseelsorgerInnen und Ehrenamtliche aus der Straffälligenhilfe.

In seinen Büchern schildert Dr. Galli in etlichen anschaulichen Geschichten den Alltag im Strafvollzug. Galli ist überzeugt, dass das Gefängnis eine überholte Institution ist. Diese kostet die Gesellschaft sehr viel und sie hat keinen – oder nur einen sehr eingeschränkten – Nutzen. Dennoch wird die Freiheitsstrafe sehr oft verhängt und vollstreckt.

Gäbe es nicht andere Maßnahmen, die viel besser sein könnten? Welchen Nutzen hat ein Opfer von Straftaten davon, dass dem Täter auch geschadet wird? Ist es wirklich sinnvoll, die Vergeltung in den Vordergrund derart aufwändiger staatlicher Maßnahmen zu stellen? Was passiert überhaupt hinter Gittern mit den Inhaftierten und was mit den MitarbeiterInnen des Vollzugssystems? Wer mehr über den Alltag des Justizvollzugs weiß, kann auch besser einordnen, was dieser erreichen kann und eben auch, was nicht. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, über Alternativen zur Freiheitsstrafe nachzudenken.

Reformen sind möglich und nötig! Im Strafvollzug gibt es sehr deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern und gerade in Bayern besteht dringender Nachholbedarf. Es gilt, die Zahl der Gefängnisinsassen zu senken, etwa durch die Abschaffung von Ersatzfreiheitsstrafen. Die negativen Folgen der Haft sind überproportional schwerwiegend bei kurzen Strafen. Darum sollten vor allem diese vermieden werden, zumal in einer kurzen Frist auch die sinnvollen Maßnahmen wie Therapien oder Ausbildungen meistens gar nicht umgesetzt werden können. Auch muss der offene Vollzug ausgeweitet werden.

Ulrike Gote zeigte sich entschlossen, weitere parlamentarische Initiativen folgen zu lassen: „Die eindringlichen Geschichten aus der Erfahrung von Herrn Galli und die Beiträge all derer, die tagtäglich mit den Widrigkeiten im bayerischen Justizvollzug hadern, machen klar: In Bayern gibt es viel Potential für Reformen. In vielen Fällen schadet die Freiheitsstrafe der Sicherheit der Allgemeinheit langfristig, schafft keine Perspektive für Staftäterinnen und Straftäter auf ein geordnetes Leben in Freiheit und ein sinnvoller Täter-Opfer-Ausgleich findet häufig nicht statt.“

 

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